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Ort
basis e.V. Gutleutstraße 8-12 60329 Frankfurt am Main
Sample and hold mit Marcell Marosfalvi
Eröffnung: 25. Juni 2026, um 18:00 Uhr
Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung „sample and hold” unseres Gastkünstlers Marcell Marosfalvi am 25. Juni 2026 um 18:00 Uhr ein. Die Arbeiten entstanden während seiner Residency bei basis e. V. im Rahmen des AIR_Frankfurt Programms in Zusammenarbeit mit budapest gallery.
Marcell Marosfalvi ist ein in Budapest lebender Künstler, der sich mit Malerei, fotografischen Verfahren, Video und digitalen Medien beschäftigt. In seiner Arbeit untersucht er die instabile Beziehung zwischen materieller und digitaler Realität und erforscht, wie Daten, virtueller Raum und technologische Systeme Wahrnehmung, Erinnerung und Körperlichkeit prägen. Indem er sowohl auf experimentelle Bildgestaltungstechniken als auch auf kunsthistorische Referenzen zurückgreift, balancieren Marosfalvis Werke Präzision und Fehler, Struktur und Zufall und übersetzen immaterielle digitale Phänomene oft zurück in taktile, physische Formen. Durch vielschichtige Aquarelle, lichtempfindliche Medien und immersive Bewegtbildarbeiten schafft er Reflexionen über gegenwärtige Erfahrungen von Entfremdung, Künstlichkeit und digitaler Entwurzelung.
Über die Ausstellung:
Gibt es eine Möglichkeit, über das Digitale ohne Computer nachzudenken? Eine Denkweise, die zu Verständnis führt?
Der Titel „Sample and Hold“ leitet sich von einer elektronischen Funktion ab: einer analogen Signalverarbeitungstechnik, die als Reaktion auf einen Trigger den momentanen Zustand eines sich ständig verändernden Signals erfasst und diesen dann bis zum Eintreffen des nächsten Triggers einfriert. Ein kontinuierlicher Fluss wird unterbrochen, angehalten und in eine Abfolge von Schritten übersetzt. Das ursprüngliche Signal beginnt, einer Treppe zu ähneln. Doch wohin führt diese Treppe?
Die Ausstellung betrachtet das Sampling nicht nur als technischen Vorgang, sondern als eine für moderne Wissenssysteme charakteristische Art, die Welt wahrzunehmen und zu ordnen. Die Realität wird in Intervalle unterteilt, fragmentiert durch die Boolesche Logik – ein System, das Informationen anhand binärer Werte wie wahr/falsch, ja/nein, 1/0 oder ein und aus verarbeitet, die digitale Systeme überhaupt erst ermöglichen –, in momentanen Zuständen erfasst und festgehalten, bis eine Aktualisierung ausgelöst wird. Dieser Rhythmus aus Erfassung, Pause und Aktualisierung untermauert das quantifizierte Leben im Großen und Ganzen: eine Welt, die zunehmend durch Messungen, Schwellenwerte, Zustände und diskrete Einheiten lesbar wird.
Doch hier wird das Digitale über die materielle und bildliche Logik der Malerei herangegangen. Gesammelte 3D-Scans bilden die Grundlage der Werke in der Ausstellung, wo sie derselben Logik des Samplings, der Reduktion und der Wiederholung unterzogen werden, durch die die Welt selbst zunehmend wahrgenommen wird. Vereinheitlicht, willkürlich gerahmt und in festen Abständen entlang der virtuellen Tiefenachse – einer Dimension, die die Malerei nur als Illusion erzeugen kann – abgetastet, übertragen die Scans räumliche Daten in die Flächigkeit der Bildebene. Ihre Strukturen werden als Echos bestimmter Zustände sichtbar. Monumental und grundrissartig erinnern die Bilder an Karten, Schaltkreise, infrastrukturelle Einheiten oder Ruinen: Orte, an denen die Schwerelosigkeit des Digitalen auf die räumliche Sprache der gebauten Welt trifft.
In der gesamten Ausstellung scheint die konkrete Realität durch die Lücken der Autobahnen zu sickern und aus den scheinbar luftdichten Kontrollsystemen zu verfliegen. Was bleibt, sind momentane Positionen, eingefrorene Übergänge: Bilder, die an der Grenze zwischen Fluss und Stille verweilen.