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Vortragsreihe: Politik und Wahrheit
Roger Behrens, Dagmar Comtesse, Felix Hauf , Katharina Hoppe , Michael Koltan , Lars Distelhorst , Frieder Vogelmann , jour fixe initiative
Mittwoch, 12.02.2020 - 19:00 uhr
Mittwoch, 11.03.2020 - 19:00 uhr
Mittwoch, 29.04.2020 - 19:00 uhr
Mittwoch, 20.05.2020 - 19:00 uhr
Mittwoch, 10.06.2020 - 19:00 uhr
Mittwoch, 08.07.2020 - 19:00 uhr

Ort

basis e.V. Gutleutstraße 8-12 60329 Frankfurt am Main

Leseraum

Politik und Wahrheit

eine Vortragsreihe der Jour fixe initiative Frankfurt

Ein wesentliches Merkmal der politischen Strategie von rechtspopulistischen Bewegungen und Regimen ist es, unliebsame Tatbestände zu Lügen oder zu „Fake News“ zu erklären und frei erfundene Zusammenhänge, die der eigenen Position Legitimität verschaffen sollen, zur Wahrheit. Bekannte Beispiele dafür sind etwa, wenn Donald Trump oder die AfD den Klimawandel leugnen oder Migration zur Ursache von Gewalt und Kriminalität erklären. Populistische Bewegungen und Regime sehen insbesondere in den traditionellen Medien wie Presse, Radio und Fernsehen generell einen ihrer wichtigsten Gegner. Dabei fällt auf, dass es gar nicht so sehr darum geht, ob irgendwelche Aussagen wahr oder unwahr sind, sondern vielmehr darum, diese Kategorien insgesamt wertlos zu machen.

Der „kreative“ Umgang mit Wahrheit in der Politik, insbesondere von Seiten der Herrschenden oder der hegemonialen Fraktionen, ist an sich nichts Neues. Dennoch scheint sich hier eine grundlegende Verschiebung abzuzeichnen. Die politische Lüge dient nicht mehr allein klar umrissenen strategischen Zwecken, sondern greift inzwischen viel grundsätzlicher die Möglichkeit einer kritischen und an historischer und politischer Wahrheit interessierten öffentlichen Debatte an. Dies zeigt sich auch in den sich verändernden Formen und Medien dieser öffentlichen Debatte, die zugleich wiederum ein wesentlicher Faktor dieser Veränderung sind. Haben Facebook und andere soziale Medien für emanzipatorische Bewegungen wie im Arabischen Frühling oder in der Occupy-Bewegung eine wichtige Mobilisierungsfunktion, so werden sie zunehmend zu einer Methode, die öffentliche Aussage jeder kritischen Überprüfungsmöglichkeit durch die Öffentlichkeit zu entziehen.

Mit der Entwicklung von autoritärem Populismus und personalisierten Medien ist die Frage nach dem Verhältnis von Politik und Wahrheit erneut, und in veränderter Form, auf die Tagesordnung gesetzt. Wie kann eine emanzipatorische Wahrheitspolitik aussehen, die sich sowohl gegen die Auflösung von Wahrheit im Zeichen von „Fake-News“ und „Post-Truth“ richtet, als auch die Kritik an der Herrschaftsförmigkeit von Wahrheit und Wissen aufrecht erhält?

Vorträge

12. Februar 2020:
Lügen, Ideologie, Propaganda… Unwahrheit in der Politik und wie wir sie benennen (sollten)
Frieder Vogelmann (Frankfurt am Main)

11. März 2020:
Jenseits von Wahrheit und Lüge - Politik im modernen Kapitalismus
Lars Distelhorst (Potsdam)

8. April 2020: ABGESAGT
Wider die autoritäre Verlockung - Drei feministische Antworten auf das „postfaktische“ Zeitalter
Katharina Hoppe (Frankfurt am Main)

29. April 2020:
Realität und Wahrheit - Der Vorschlag des Critical Realism
Felix Hauf (Frankfurt am Main)

20. Mai 2020:
Pippi vs. Donald: Warum Machtanalyse wichtiger ist als Wahrheitsglaube
Dagmar Comtesse (Frankfurt am Main)

10. Juni 2020
Fakten, Fakes und Fiktionen
Die Wahrheit der Kulturindustrie
Roger Behrens (Hamburg)

8. Juli 2020:
Über die Konstruktion von „Wahrheit“ im politischen Raum
Michael Koltan (Freiburg)

Weitere Informationen zum Programm gibt es hier.